Das Internet ist nicht Dein bester Freund, es ist eine Datensammlung

Nachdem ein Bewerber um eine Stelle, den wir abgelehnt haben, telefonisch nach den genauen Gründen für seine Ablehnung gefragt hat und ich zudem in den letzten Monaten mehr als ein Gespräch zu dieser Thematik geführt habe, hier kurz (wie angekündigt) ein paar der wichtigsten Dinge zum Thema Internet, Privatsphäre, Zukunft.

Natürlich - jemanden der einen Entzug braucht stellen wir sofort einJa, das Internet ist eine tolle Sache. Es ist schnell, bunt, es hilft uns Kontakte zu Pflegen die früher verloren gegangen wären und man kann sich schnell und einfach ausdrücken.
In den letzten 2 Jahren sind durch Seiten wie myspace, facebook oder hier in Deutschland besonders studivz die Möglichkeiten rasant gewachsen.
Dabei wird viel zu schnell vergessen, dass das Internet nicht privat ist. Es ist global. Öffentlich. Vermeintlich Privates landet innerhalb von Sekunden in Händen, in denen es nie landen sollte. Informationen, für deren Schutz noch vor ein paar Jahren demonstriert worden ist, werden jetzt bereitwillig veröffentlicht.

1. Benutz Deinen richtigen Namen nicht immer – denn “googlen” kann jeder

Man muss nicht in jedem Forum mit seinem kompletten Vor- und Zunamen (bei ungewöhnlichen Vornamen auch nicht nur unter diesem) posten, auch bei Gästebuch- oder Useneteinträgen reicht der Vorname oder ein Nickname.
Probier es – was spucken Google & Co. aus, wenn Du Deinen eigenen Namen suchst? Sind das Informationen die für Dich unbedenklich sind?

2. Veröffentliche nur Informationen über Dich im Internet, die Du auch ans schwarze Brett Deiner Schule / Uni / Firma hängen würdest

Klar, im Freundeskreis spricht man darüber “wie übel es gestern wieder war”, ganz sicher aber nicht in der Firma. Spätestens wenn man einen Ausdruck der letzten Exzesse an der Pinnwand findet, fängt man an sich Gedanken zu machen – nur leider ist es dann oft schon zu spät. Nie war es so einfach in kurzer Zeit ein Screening einer Person via Internet zu erstellen – ob das daraus resultierende Bild letztendlich der Realität entspricht, ist nachrangig. Auch möchte man nicht jede persönliche Vorliebe als beim Personalchef bekannt wissen.

3. Was machen “wir”, wenn eine Bewerbung eingeht? (die wir in Betracht ziehen)

1. Mit Google, MSN, Yahoo, Metager usw. den Namen suchen.
Ist in der Bewerbung eine aufschlussreiche, vom wirklichen Namen abweichende eMail-Adresse angegeben (z.B. “little_snow_flake_81@irgendwas.de”), wird diese Adresse in die Suche einbezogen.
2. Den Namen in Verbindung mit verschiedenen Begriffen suchen
(Name + eMail, Name + aka etc.), mit den daraus resultierenden Ergebnissen wird weitergesucht.
3. Myspace, studivz & Co.
Die Gruppenzugehörigkeiten - ob ernst gemeint oder nicht - sprechen Bände
Nirgendwo wird in der Masse unbedenklicher mit personenbezogenen Daten umgegangen als in den sog. “Social Networks”. Natürlich haben “wir” Accounts für für alle diese Seiten, natürlich beziehen wir sie in ein Screening mit ein. Um zurück zum konkreten Fall vom Eingang zu kommen: die uns vorliegende Bewerbung war fehlerfrei, gut geschreiben und den Normen entsprechend. Erste Treffer für Gästebucheinträge neueren Datums unterstreichen den Eindruck der Bewerbung nicht, das studivz fördert dann alle Gründe zu Tage, die für die Ablehnung sprachen:
politisch nicht korrekte Fotos, politisch teilweise nicht einwandfreier Musikgeschmack (als Beispiel sei hier das männliche Gegenstück zu den Tanten mit “z” am Ende genannt) und keinerlei Stil- oder Rechtschreibempfinden. Gruppenzugehörigkeiten runden das Bild ab, der Bewerber ist abgelehnt. Genau das habe ich ihm telefonisch dann auch mitgeteilt – er war erschrocken.

4. Wie bekomme ich personenbezogene Daten wieder aus dem Internet?

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Die grossen Suchmaschinen bieten Webmastern die Möglichkeit, Seiten aus dem Index zu entfernen, nur ist hierfür meist ein direkter Eingriff auf der/den entsprechenden Seite/n nötig um zu verifizieren, dass man zur Löschung berechtigt ist. Dies ist also keine Lösung für Gästebücher und Co..
Auch vermeintlich geschlossene Netzwerke wie studivz werden von “speziellen Dienstleistern” abgegrast, meine eigene Seite aus dem studivz habe ich noch in der ersten Version der Veröffentlichung vorliegen.

5. Die Zeit heilt alle Wunden?

Ausdrücklich Nein. Das Internet wird nicht nur für Suchen indiziert, es werden auch mehr und mehr Abbilder zu einzelnen Zeitpunkten erzeugt (archive.org hat noch meine erste persönliche Webseite im Speicher, natürlich mit den entsprechenden Suchbegriffen auffindbar). Speicherplatz wird immer billiger und der Datenhunger immer grösser, immer weniger verschwindet wirklich aus dem Internet.
Deine Daten bleiben im Speicher - auch die von vermeintlich längst gelöschten Seiten

Geht es um die Besetzung einer Stelle für die Integrität, Kontinuität und alle anderen damit verbundenen Eigenschaften gefordert sind, werden nicht selten Beträge in vierstelligen Grössenordnungen aufgewendet um sicherzustellen, dass ein Bewerber seiner Bewerbung auch entspricht.

Alles andere als rosige Zukunftsaussichten

Und sehen wir mal ein Stück weit in die Zukunft.
Beispiel: Man wird sich privat zusätzlich versichern müssen. Die Tarife für Nichtraucher (die wir übrigens nur noch einstellen, da sie im Jahr gemittelt 1000 – 5000 Euro günstiger und psychisch stabiler sind) werden günstiger sein. Klar, mancher (Gelegenheits)Raucher wird versuchen sich als Nichtraucher auszugeben um Geld zu sparen oder die Versicherung überhaupt zu bekommen. Blöd dann, wenn der Gegenüber Fotos auf dem Schirm hat, die das Gegenteil klar belegen.
Und das ist nur ein wahrscheinlich eher harmloses Beispiel.

Das Internet ist weder Deine beste Freundin noch Dein bester Freund – es ist eine Sammlung von Daten bei der Du in Deinem Intresse darauf achten solltest, was sie über Dich aussagt.

Ist das ein Whorst-Case-Szenario?

Nein, das ist die Realität. So wird von Personalbüros, Personalagenturen, Personalchefs gesiebt. Ob das “fair” ist, ob das Bild, das bei einem solchen Screening entsteht, der Realtität entspricht zählt letztendlich nicht. Ich bin gespannt wie viele Leute aus meinem Uni- Schul- oder Arbeitsumfeld sich ob ihrer bereitwillig veröffentlichten Informationen in einem, zwei oder auch erst 10 Jahren in den Hintern beissen werden.

Die (frohe) Botschaft verkünden:
  • Twitter
  • Tumblr
  • Facebook
  • Digg
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • Print
  • PDF